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Welche Praktikumsarten gibt es?

Praktika bieten Einblick in den Arbeitsalltag. Der Einstieg in das Berufsleben und das Sammeln von Erfahrungen gestalten sich nicht immer einfach. Welche Praktikumsarten eignen sich wann und was ist deren Aufgabe?

Praktika helfen Schülern, Studenten und Absolventen, sich selbst im Beruf kennenzulernen. Sie erfahren, wo Stärken und Schwächen liegen und sollen vor beruflichen Fehlentscheidungen bewahren.

Für die Generation Praktikum wurden Praktika manchmal zur Qual. Die Jahrgänge von 1975 bis 1990 sind laut Analysen des Bundeszentrums für Politische Bildung als Generation Praktikum bekannt. Der Berufseinstieg lief in einigen Bereichen selten über den geregelten Bildungsweg. Der Start in das Berufsleben war mit einer Vielzahl unbezahlter oder schlecht bezahlter Praktika verbunden.

Praktika ziehen sich von der Schulzeit bis in das Erwachsenenalter, sind mal verpflichtend, mal freiwillig. Welche Praktika sind für die Karriere wichtig?

Praktikumsarten

Bereits in der Schulzeit werden wir mit Praktika konfrontiert. Mit den Schülerpraktika soll sichergestellt werden, dass die Entscheidung nach dem späteren Karrierepfad oder weiteren Bildungsweg nicht komplett theoretisch ist. Die Schüler sollen erste berufliche Abläufe kennenlernen und in Betriebe "reinschnuppern".

Praktika sind nicht nur eine Möglichkeit, einen Einblick in die Arbeitswelt zu erhalten oder uns zu orientieren. Auch für die Anwendung von Wissen eignet sich die besondere Form der Beschäftigung in Unternehmen. Praktikumsarten können in verschiedene Kategorien eingeteilt werden. Eine erste Unterteilung erfolgt in “Echte Praktika” und “Unechte Praktika”. Wobei echte Praktika als Pflichtpraktikum zwingend von einer Prüfungs- oder Ausbildungsordnung vorgeschrieben werden und “Unechte Praktika” ein freiwilliges Praktikum beschreiben.

Praktikum in der Schulzeit

Das Schülerpraktikum gibt es in Hauptschule, Realschule, am Gymnasium und Schulformen wie der Waldorfschule. Sie dienen der Orientierung, welcher berufliche Weg oder weitere Bildungsweg zu den Jugendlichen passen.

Die Praktikumsart in der allgemeinbildenden Schule ist das “Betriebspraktikum oder Praktikum zur beruflichen Orientierung” als repräsentative Maßnahme zum Reinschnuppern und Kennenlernen der Tätigkeit im Beruf konzipiert.

Die geringe Anzahl der Pflichtpraktika in der Schulzeit erfordert allerdings, dass Schüler auch freiwillige Praktika oder Ferienjobs für eine realistische Orientierung absolvieren.

Zudem ist das zeitlich auf etwa zwei Wochen begrenzte Praktikum in einzelnen Unternehmen nicht repräsentativ genug, um einen guten Einblick zu erhalten. Die geistigen und körperlichen Fähigkeiten vieler Jugendlicher in den 8. bis 11. Klassen bieten dabei selten die Voraussetzung, um voll am Beruf teilzuhaben.

Eine besondere Form hat das Praktikum in den Waldorfschulen. In verschiedenen Jahrgängen und Schulen gibt es kurze und lange Praktika wie das Forstpraktikum, Landwirtschaftspraktikum, Küchenpraktikum, Sozialpraktikum oder Betriebspraktikum. Die in der Dauer und dem Niveau den Jahrgangsstufen angepasst sind. Die Bezeichnung richtet sich nach dem Praktikumsort.

Praktikum in der Ausbildung und Weiterbildung

Bei einer schulischen Ausbildung, wie beispielsweise an einer Fachhochschule, müssen verschiedene Pflichtpraktika in Unternehmen absolviert werden. So können theoretische Inhalte der Schule mit denen des Arbeitslebens ergänzt werden.

Während der dualen Ausbildung sind keine Praktika erforderlich, da das Ausbildungsunternehmen die praktischen Einblicke liefert.

Ein Praktikum als Teil der Weiterbildung und Aufstiegsfortbildung ist nur bei rein schulischen Weiterbildungen notwendig. Der Vorteil der berufsbegleitenden Aufstiegsfortbildungen und Aufstiegsweiterbildungen liegt darin, dass die theoretischen Inhalte auch direkt am Arbeitsplatz nachvollzogen werden und das Gehalt weiterhin bezogen wird. Dieses ist in der Regel besser als die Vergütung während der Praktika.

Praktikum und akademisches Studium

Ein großer Nachteil des akademischen Studiums im Vergleich zur beruflichen Bildung liegt darin, dass in Studiengängen nicht immer der praktische Bezug hergestellt ist. Viele Studenten benötigen Praktika, um sich im Beruf zu orientieren, den Einstieg in die Berufswelt zu meistern oder als Teil der Qualifikation für den Abschluss des Studiums an der Universität oder einer Fachhochschule.

Als besondere Form der Orientierung ist das Vorpraktikum hervorzuheben. Es eröffnet als Praktikumszeit nicht den Einstieg in die Arbeitswelt, sondern wird in einigen Bereichen als  Zugangsvoraussetzung benötigt. So beispielsweise bei einigen Bildungsträgern oder für bestimmte Studiengänge wie Soziale Arbeit.

Eine spezifische Praktikumsart während des akademischen Studiums der Medizin ist auch die Famulatur. Die Famulatur beschreibt in medizinischen Studienfächern ein Pflichtpraktikum, welches für den Erwerb des Abschlusses benötigt wird.

Der Begriff “Generation Praktikum” wird häufig auf Absolventen der Geistes- und Gesellschaftswissenschaften verwendet. Denen es damals kaum möglich war, ohne (diverse) freiwillige Praktika während oder nach dem Studium einen Einstieg in das Berufsleben zu bekommen.

Weitere Praktikumsarten

Eine weitere besondere Praktikumsart ist das Volontariat. Es wird häufiger als die Vorstufe zu einem Beruf, die begrenzte Arbeit in einer Institution oder Organisation sowie als die Ausbildung im Medienbereich verstanden. Die rechtlichen Grundlagen zwischen Volontariat und Praktikum unterscheiden sich.

Volontariate sind Praktikumsarten, bei denen das Wissen der Praktikanten erweitert werden soll. Diese sind mit keinem Abschluss verbunden und sollen übergreifendes Wissen vermitteln.

Tages-, Wochen und Jahrespraktika

Diese Praktikumsarten bezeichnen die Zeit, welche die Praktika in Anspruch nehmen, die als Pflichtpraktikum während einer Bildungsmaßnahme absolviert werden müssen. Für das Jahrespraktikum hat sich der Begriff Anerkennungsjahr, z. B. Als Teil der Erzieherausbildung, durchgesetzt.

Vor-, Zwischen- oder Nachpraktika

Die Bezeichnung der Praktikumsarten beschrieben in der Regel die zeitliche Einordnung eines Pflichtpraktikums während der Studienzeit- eben vor, nach oder während einer Bildungsmaßnahme. Eine weitere Art des Vorpraktikums ist das sogenannte “Traineeprogramm” oder das Fachpraktikum.

Sprachpraktikum

Immigranten oder Teilnehmer an weiterführenden, intensiven Sprachkursen im Ausland müssen im Rahmen der Sprachausbildung häufig ein Sprachpraktikum absolvieren. In Deutschland ist dies beispielsweise notwendig, wenn ein Deutschkurs als Teil der Zugangsberechtigung für die Studienberechtigung absolviert werden soll.

Finanzierung eines Praktikums

Während eines Praktikums gelten bestimmte Regeln, die beispielsweise den Bezug von Sozialleistungen einschränken können. Vor einem Praktikum sollte also gegebenenfalls die Agentur für Arbeit kontaktiert werden, um bestimmte Komplikationen zu vermeiden.