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Arbeitschutz für Schwangere

Schwangere, Stillende und Mütter genießen besonderen Schutz. Der leitet sich aus dem Mutterschutzgesetz, dem Arbeitsschutzgesetz und Sozialplan ab. Neben dem Kündigungsschutz und Einschränkungen der Tätigkeiten verpflichtet auch die Gefährdungsbeurteilung bei Schwangeren am Arbeitsplatz zu Achtsamkeit.

Der Kinderwunsch darf der Arbeit nicht im Weg stehen. Und auch umgekehrt ist es der Fall: Mutterschutz und der Schutz Schwangerer sind eine wichtige Voraussetzung, um werdende Mütter und deren Kinder vor Schäden am Arbeitsplatz oder aufgrund der Arbeit zu bewahren. Sind werdende Mütter an einem Arbeitsplatz tätig, an dem die Arbeit oder die Umgebung eine Gefahr für die Schwangerschaft oder Stillende bedeuten, gelten seit 2018 und auch seit der Corona-Pandemie noch sensible Richtlinien als vorher. Ist ein Arbeitsplatz nicht geeignet, kann es zum Beschäftigungsverbot führen oder den Transfer in eine andere Abteilung bedeuten.

Mit der Gefährdungsbeurteilung wird der Mutterschutz noch exakter geregelt und erfolgt anhand definierter Bewertungskriterien. Die Ergänzung zum Mutterschutzgesetz ist verpflichtend und Versäumnisse können teuer werden. Welche Gesetze schützen Schwangere, Mütter und deren Kinder? Wie funktioniert die Gefährdungsbeurteilung für Schwangere in Unternehmen? Und welche Möglichkeiten bieten Bildungsmaßnahmen im Mutterschutz?

Gesetzlicher Mutterschutz: Diese Rechte gelten für Schwangere und Mütter

Dass schwangere und frischgebackene Mütter einen gesonderten Arbeitsschutz und Kündigungsschutz genießen und in Unternehmen nur zumutbare Tätigkeiten ausführen dürfen, ist weitgehend bekannt.
Im Jahr 2018 folgte eine Modernisierung des Mutterschutzgesetzes (MuSchG), welche laut Bundesregierung schwangeren und stillenden Frauen bestmöglichen Gesundheitsschutz gewähren sollte.


Gefährliche Arbeiten und die Arbeit unter gewissen Bedingungen sind im Rahmen des Arbeitsschutzes ausgeschlossen oder nur eingeschränkt möglich. Dazu gehören:

  • schwere körperliche Arbeit
  • Arbeit mit gefährlichen / giftigen Stoffen
  • Nachtschichten
  • Akkord- und Fließbandarbeit und
  • Arbeit an einem gefährlichen Arbeitsplatz.


Teil des Schutzes für werdende Mütter kann auch bedeuten, dass ein gefährlicher Arbeitsplatz so umgestaltet wird, dass er kein Risiko mehr darstellt. Oder die Quelle einer Gefährdung durch die Änderung der Tätigkeit ausgeschlossen wird. Weiterhin ist laut Bundesregierung die Arbeit an Sonn- und Feiertagen oder Arbeitszeit ab 22 Uhr nur im Einverständnis eine Option.

Mutterschutzfrist

Ein Beschäftigungsverbot gilt für Mütter in einem gewissen zeitlichen Rahmen vor und nach dem errechneten Geburtstermin. Während des Zeitraums erhalten Mütter das Mutterschaftsgeld.
Die Mutterschutzfrist gilt:

  • sechs Wochen vor bis acht Wochen nach der Geburt
  • zwölf Wochen nach der Geburt bei Zwillingen, Frühgeburten, Kind mit Beeinträchtigung

Kündigungsschutz im MuSchG

Ein gesonderter Kündigungsschutz wird in § 17 Mutterschutzgesetz (MuSchG) festgehalten. Dieser gilt für die gesamte Dauer der Schwangerschaft bis vier Monate nach der Schwangerschaft oder nach einer Fehlgeburt nach der zwölften Schwangerschaftswoche.

Ausnahmen sind gesondert geregelt: Die Kündigung einer Schwangeren darf nicht im Zusammenhang mit der Schwangerschaft, Mutterschaft oder einer Fehlgeburt erfolgen und ist von der obersten Landesbehörde zu prüfen.

Gefährdungsbeurteilung Schwangere im Unternehmen

Eine Gefährdungsbeurteilung soll Arbeitsverhältnis und Arbeitsort der Schwangeren auf eventuelle Gefahren prüfen. Sobald eine Frau den Status der Schwangerschaft und den voraussichtlichen Entbindungstermin mitteilt, besteht der Schutz und Handlungsbedarf rund um die Schutzmaßnahmen sowie die ergonomische Anpassung des Arbeitsplatzes.

Wenn ein neues Unternehmen der Pflicht der Gefährdungsbeurteilung noch nicht nachgekommen ist, besteht sofortiger Handlungsbedarf. Bei Verstoß drohen Bußgelder von 5.000 bis 30.000 EUR. Diese sensiblen Strafen sollen eine Gefährdung von Mutter und Kind von vornherein ausschließen und die Wichtigkeit des Themas vermitteln.

Wie funktioniert die Gefährdungsbeurteilung?

Um eventuelle Gefahren für Schwangere und Stillende am Arbeitsplatz zu erfassen, wird ein Fragebogen bzw. ein Katalog mit Gefahrenquellen ausgefüllt. Das Ministerium für Umwelt, Energie, Ernährung und Forsten Rheinland Pfalz empfiehlt im SGU-Leitfaden "Gefährdungsbeurteilung Mutterschutz" für bestimmte Branchen Auskunft durch Arbeitgeber in folgenden Kategorien.

  • physikalische Gefährdungen
  • gefährliche chemische Arbeitsstoffe
  • gefährliche biologische Arbeitsstoffe
  • Arbeitsbedingungen und Arbeitsverfahren
  • Arbeitszeit
  • weitere Faktoren der Gefährdung
  • Ergebnis der Arbeitsplatzbeurteilung
  • Schutzmaßnahmen seit Bekanntwerden der Schwangerschaft

Corona-Pandemie und Arbeitsschutz / Gefährdungsbeurteilung

Mit der Corona-Pandemie hat sich das Risiko an Arbeitsplätzen für Mütter und andere schutzbedürftige Personen erhöht. Viele Behörden haben die Beurteilungskriterien darum aktualisiert und auch den Arbeitsschutz entsprechend angepasst, so beispielsweise mit der Einschränkung von Kontakt zu Kunden oder Abstandsregelungen in Pausenzeiten.

Aktuelle Informationen erhalten Sie von den verantwortlichen Behörden des Landes für Ihre Branche.

Mutterschutz und Elternzeit als Bildungschance für junge Mütter

Für Schwangere ist Arbeitsschutz ein wichtiges Recht, um die Gesundheit von Müttern und Kindern in dieser sensiblen Zeit zu gewährleisten. Frauen und auch Männer genießen nach der Entbindung zusätzlich das Recht der Elternzeit, die zwischen den Eltern aufgeteilt werden kann. Und auch der Sozialplan, der Eltern in gewissen Fällen vor einer betriebsbedingten Kündigung bewahren kann, spielt eine Rolle.
Diese Zeit bietet sich auch an, um Bildungsmaßnahmen wie eine Aufstiegsfortbildung wahrzunehmen. Mit einer Fort- bzw. Weiterbildung wird nicht nur der Wiedereinstieg in die Beschäftigung erleichtert, sondern erfolgt auf einer neuen Stufe in der Karriereleiter.

Auch sind Sie berechtigt, eine Fortbildung während der Elternzeit zu beginnen. Durch Möglichkeiten der live-online Fortbildung, beispielsweise zum/-r Wirtschaftsfachwirt/-in steigen Sie nach der Ausbildung auf eine Stufe, die mit dem akademischen Bachelor vergleichbar ist und Sie für neue Management- und Führungsaufgaben qualifiziert.

Möglichkeiten der Förderung durch das neue Aufstiegsbafög unterstützen die Finanzierung, die in berufsbegleitenden Modellen oft auch in monatlichen Raten erfolgen kann und viel Zeit und Freiräume für die besonderen Bedürfnisse einräumt.

Sonderrechte: Schwangere Gefährdungsbeurteilung als sinnvolle Pflicht

Dass im Arbeitsschutzgesetz Schwangere eine Sonderbehandlung eingeräumt wird, ist eine wichtige Grundlage für die Gesundheit von Müttern und Kindern. Die strengen Vorgaben rund um die Einschätzung der Gefahren am Arbeitsplatz durch die Gefährdungsbeurteilung für Schwangere ist ein Teil Gefahrenanalysen für besonders schutzbedürftige Personen wie beispielsweise Minderjährige oder Menschen mit Behinderung.