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Kündigen während Krankheit – Was sagt das Gesetz?

Kann ich während Krankheit kündigen oder gekündigt werden? Sind Kündigungen während der Krankschreibung wirksam? Wann greift das Arbeitsschutzgesetz? Für einige Arbeitnehmer folgt nach der Kündigung erst mal eine Krankschreibung. Das kann helfen, um die Belastung und den Schock zu verarbeiten.

Die meisten Ärzte dürften dies als Grund anerkennen. Doch wie beeinflusst eine Krankschreibung die Kündigung? Kann eine Kündigung während der Krankheit durch Arbeitnehmer oder Arbeitgeber ausgesprochen werden? Eine Kündigung ist eine einseitige Willenserklärung, die schriftlich erfolgt. Je nach Dauer der Beschäftigung gelten unterschiedliche Kündigungsfristen und auch Gründe für eine fristgerechte Kündigung oder eine fristlose Kündigung müssen erfüllt sein.

Im Kündigungsschutzgesetz kommt zum Ausdruck, dass lediglich Mütter, Eltern in Elternzeit und Menschen mit Behinderung besonders geschützt werden. Krankheit schützt nicht vor Kündigung. Und auch während der Krankheit kann eine Kündigung erfolgen.

Kündigen während Krankheit

Sie haben zu Ohren bekommen, dass der Chef Ihnen am Montag kündigen möchte? Also schnell zum Arzt, um der Kündigung durch Krankschreibung zu entgehen und noch etwas Zeit zu gewinnen! Dieses vorgehen dürfte maximal ein paar Tage Zeit für die Jobsuche bringen: Sobald Sie die Kündigung empfangen (beispielsweise an den Folgetagen per Einschreiben) ist diese wirksam und die Kündigungsfrist beginnt.

Eine Kündigung während der Krankschreibung ist rechtmäßig. Das gilt unter bestimmten Voraussetzungen auch, wenn die Krankheit selbst der Grund für die Kündigung ist.

Krankheit und Kündigung: Was ist erlaubt?

Die Kündigung während einer Krankheit erfolgt entweder durch Arbeitnehmer oder Arbeitgeber. Auch eine Kündigung während der Krankheit in der Probezeit, eine fristlose Kündigung während Krankheit und betriebsbedingte Kündigung während der Krankschreibung sind möglich.

Kündigung während Krankheit durch Arbeitgeber

Während der Krankheit ist der Arbeitnehmer natürlich nicht am Arbeitsplatz anzutreffen. Da die Kündigung erst mit dem Erhalt gilt, sollte diese entweder direkt an den Arbeitnehmer übergeben werden, welcher den Empfang schriftlich quittiert. Als Alternative kann die Kündigung per “Einschreiben eigenhändig” übermittelt werden. Der Empfänger muss dann den Erhalt ebenfalls per Unterschrift quittieren. Das Datum des Erhalts der Kündigung steht dann eindeutig fest.
Die Kündigung auf dem einfachen Postweg oder einfach per Einwurf Einschreiben zu senden kann mit Komplikationen verbunden sein.

Kündigung während Krankheit durch Arbeitnehmer

Arbeitnehmern, die während der Krankheit kündigen wollen, können sich ebenfalls der Zusendung per Einschreiben bedienen. Mit dem Einwurf Einschreiben ist die Kündigung nachweislich zugestellt. Es darf dann auch ohne separate Bestätigung durch den Arbeitgeber davon ausgegangen werden, dass dieser die Kündigung nach 1-2 Tagen wahrgenommen hat.

Kündigung während Krankheit in Probezeit

Bei einer Kündigung während der Krankheit in der Probezeit gilt die verkürzte Kündigungsfrist, die in der Probezeit üblich ist – diese beträgt meist zwei Wochen. Nach spätestens sechs Monaten der Probezeit gilt automatisch die gesetzliche Kündigungsfrist. Die Probezeit kann bis zu dieser maximalen Dauer bei Krankheit unter Umständen verlängert werden. Eine Verlängerung über die sechs Monate hinaus ist unüblich.

Kündigung während Krankheit in der Ausbildung

In einer Ausbildung darf die Probezeit um bis zu vier Monate verlängert werden, wenn Azubis mindestens ein Drittel der Zeit krankheitsbedingt abwesend waren. Während der Probezeit dürfen Azubis ohne Angabe von Gründen gekündigt werden. Die Kündigung nach dieser Probezeit kann auch während der Krankheit zugestellt werden, erfolgt allerdings strengeren gesetzlichen Vorgaben als die Kündigung vor Ablauf der Probezeit.

Ist eine fristlose Kündigung während Krankheit möglich?

Sollten die Gründe für eine fristlose Kündigung erfüllt sein, kann diese auch während der Krankheit zugestellt werden. Eine Krankheit selbst ist selten ein Grund für eine fristlose Kündigung. Die Ausnahme könnte beispielsweise sein, wenn ein suchtkranker Arbeitnehmer am Arbeitsplatz andere gefährdet. Einzelfälle sind dann individuell zu prüfen.

Erfordert die Kündigung während Krankheit eine Abmahnung?

Auch hier stellt die Krankschreibung keine Ausnahme dar. Wenn die Form der ordentlichen Kündigung je nach Kündigungsgrund Abmahnungen erfordert, müssen diese entsprechend vorher ausgesprochen worden sein.

Erfolgt eine Kündigung rechtmäßig aufgrund einer Krankheit, erfordert diese keine Abmahnung.

Krank während Kündigungsfrist

Ein Krankheitsfall in der Kündigungsfrist verlängert diese nicht. Verschiebungen kann es lediglich geben, wenn die Krankheit den Erhalt der Kündigung verlängert. Möchte ein Arbeitgeber beispielsweise am 14. die Kündigung aussprechen, da diese bis 15. erfolgen muss, und der Arbeitnehmer erscheint aufgrund von Krankheit nicht auf Arbeit, dauert es länger, bis die Kündigung zugestellt wurde. Tarifvertragliche Sonderregelungen zu Kündigung und Krankheit können unter Umständen eine Verlängerung der Frist bedeuten.

Kündigung während Krankheit möglich, doch gemieden

Mit der Krankschreibung kann ein Arbeitnehmer das Datum des Erhalts der Kündigung um ein paar Tage verschieben. Mit dieser Frist zu pokern ist riskant und eine Kündigung bewusst durch Fernbleiben umgehen zu wollen, ist sehr selten erfolgreich oder sinnvoll.

Die Kündigung ist auch während der Krankheit und unter bestimmten Voraussetzungen sogar aufgrund einer Krankheit möglich. In den meisten Fällen wird die Kündigung allerdings persönlich übergeben, da dies menschlich und fairer ist. Auch ist so das Datum des Erhalts der Kündigung nicht diskutabel. Eine Kündigung sollte weder arbeitnehmern noch Arbeitgebern bewusst erschwert werden. Mit gutem Gewissen auseinander zu gehen ist die bessere Lösung und wirkt sich eventuell positiv auf das Arbeitszeugnis oder die Art aus, wie scheidende Arbeitnehmer über den Arbeitgeber sprechen.

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