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Stärken und Schwächen im Bewerbungsgespräch: Charakter zeigen und Punkte sammeln

Niemand spricht gern über Schwächen - andere zu gern über Stärken. So gelingt die Antwort auf die Frage nach Stärken und Schwächen im Jobinterview. Ihre Stärken sind der Fußball vorm Fernseher und Schwächen ein heißes Schaumbad und eine Tafel Nussschokolade? Schön für Sie, doch für das Bewerbungsgespräch denkbar irrelevant.

 

Oft denken Arbeitssuchende, dass sie sich mit extremen Stärken und harmlosen Schwächen oder maßgeschneiderten Antworten aus Listen als fehlerfrei und geeignet hervortun könnten. Doch gibt dies dem Interviewer keinen Eindruck über die spätere Funktion im Unternehmen oder die Harmoniefähigkeit im Team. 

Als Teil jedes Bewerbungsgespräches soll die Frage nach Stärken und Schwächen schließlich einen Einblick in die Persönlichkeit, den Charakter und die mögliche Eignung der Bewerber für die ausgeschriebene Stelle im Unternehmen gewähren - Ihre Eignung anhand von harten Fakten wurde zu einem großen Teil in Bewerbungsunterlagen bewiesen.

Schwächen verheimlichen und vermeintliche Stärken überstrapazieren - Recruiter erkennen diese Taktiken. Gut ist es, eine ehrliche Antwort zu geben, Relevanz im Auge zu behalten und auch ein wenig über sich selbst preiszugeben. Mit Vorbereitung vor dem Vorstellungsgespräch gelingt die Schilderung der Stärken und Schwächen. 

Wir zeigen Ihnen, wie Sie bei Bewerbungen mit einer Antwort auf Stärken und Schwächen Pluspunkte sammeln und dabei ehrlich zu sich selbst und ihrem zukünftigen Chef sind.

Stärken und Schwächen im Vorstellungsgespräch - Schwarz-Weiß-Denken überwinden

Sie leiden unter einer Zwangsstörung? Sind etwas psychopathisch und narzisstisch? Oder stellen die Wünsche anderer immer an erste Stelle? 
Diese Charaktereigenschaften, welche Betroffenen das Privatleben erschweren können, bedeuten vielleicht gute Voraussetzungen, um in Buchhaltung, der Geschäftsführung oder dem Service eine Karriere zu beginnen.

Vermeintliche Schwächen können uns für eine bestimmte Tätigkeit in einem Unternehmen sogar prädestinieren. Doch zu sagen: "Ich bin herrschsüchtig und ordne andere gern unter." qualifiziert Sie nicht für eine Stelle im mittleren Management. Auf die richtige Präsentation kommt es an.

Um zu punkten, sollten Stärken und Schwächen einen Einblick in den Charakter geben, sich mit den Bewerbungsunterlagen und Ihrer Persönlichkeit decken und zu den Anforderungen des Berufs passen.

Beispiele richtige Stärken und irrelevante Schwächen im Vorstellungsgespräch

Das Internet ist voll von Videos, Beispielen und Listen rund um Stärken und Schwächen - Karrierecoachs, Influencer und viele andere suchen mit den passenden Beispielen mehr und weniger erfolgreich Zuspruch.

Doch Beispiele aus Listen mit Stärken und Schwächen für Bewerbungsgespräche sind oft verhängnisvoll. Zu oft werden konkrete Beispiele genannt und von vielen im Bewerbungsgespräch einfach kopiert. In den meisten Fällen kennen gute Recruiter und Interviewer diese Listen ebenfalls und wissen auch, wann Bewerber Stärken und Schwächen konstruieren, um gut dazustehen.

Wir zeigen Beispiele, wie Sie mit der richtigen Art zu Antworten punkten können, ohne langweilig und unehrlich zu erscheinen.
 

Schwächen nennen: Unter Umständen von Vorteil

Niemand ist ein Roboter, wir alle haben charakterliche Stärken und Schwächen. Im Bewerbungsgespräch kann damit offen umgegangen werden, wenn man Schwächen auf die richtige Art präsentiert.

Nutzen Sie die Nennung von Schwächen im Interview beispielsweise um:

  • Wissen auf Teilgebieten und Anforderungsbereichen Ihres Fachbereichs zu beweisen
  • zu schildern, wie Sie mit Ihren Schwächen umgehen
  • zu zeigen, wie Sie aus Schwächen lernen
  • wie Sie ehrlich die Frage beantworten und Pläne aufzeigen, um bestehende Schwächen überwinden können.

Schwächen zu konstruieren oder zu lügen ist ein Nachteil: Recruiter und Interviewpartner kennen alle Taktiken und Beispiele für vorgehaltene Schwächen. Ehrlich zu antworten bringt darum Vorteile. Spätestens bei Rückfragen zu Ihren Schwächen im Bewerbungsgespräch zeigt sich schnell, wie ehrlich Sie waren, wie intelligent Sie sich selbst analysieren und wie effektiv Sie an sich selbst arbeiten können.

Richtige Schwächen spielen eine Rolle

Die einfachste Art der Nennung von Schwächen ist die der irrelevanten oder überwundenen Schwächen in Form einer einfachen Aufzählung. Irrelevante und überwundene Schwächen, die also nichts mit der späteren Tätigkeit im Unternehmen zu tun haben, sind beliebte Beispiele auf den Listen der Schwächen in Bewerbungsgesprächen.

Die Nennung dieser Schwächen dient eher dem Absolvieren des Abschnitts im Bewerbungsgespräch als dem Erzielen eines positiven Effekts.

Aneinanderreihungen unbedeutender Schwächen als selbstgemachte Falle

Sie sind fanatischer Fußballfan, "bingewatchen" gern Sonntags Krimiserien oder können einfach nicht ohne teuren Käse leben? Die Nennung dieser irrelevanten Schwächen könnte zwar als Aufhänger für einen kurzen, lockeren Plausch dienen, doch spielen diese keine Rolle, um sich ein Bild über Ihre Fähigkeiten der Selbstreflexion zu verschaffen.

Profis kennen Ihre Schwächen auf bestimmten Gebieten und wissen auch, wie man mit diesen Umgehen kann, um sie im Berufsleben nicht zum Nachteil werden zu lassen.

Beispiel für richtig eingesetzte Schwächen:
Wenn Sie auf Ihrem IHK-Abschlusszeugnis der dualen Ausbildung im Bereich der Buchhaltung keine zu guten Noten erzielt haben, suchen Sie sich später meist keine Stelle in der Buchhaltung.

Als Beispiel für eine irrelevante und überwundene Schwäche im Bewerbungsgespräch - z. B. bei der Bewerbung für eine Stelle im Service:
"Ich hatte bei Buchhaltungsaufgaben Schwächen,..." ist eine ehrliche Aussage, die sich nachvollziehbar mit Ihrem Zeugnis deckt.

Die Schwäche zu einer Stärke machen können Sie wie folgt:
"... konnte aber durch intensives Lernen und Eigenmotivation die Prüfung ganz gut bestehen."

Und zur Schwäche stehen:
"Einen Job in der Buchhaltung würde ich heute aber dennoch nicht wollen. Das wäre mir zu trocken."

Weitere Beispiele:
"Ich habe mich in Gruppen lange hinten angestellt, was mir manchmal Nachteile einbrachte. Nach der Ausbildung lernte ich aber, wo ich zwischen Helfen und ausgenutzt werden eine Grenze ziehen kann, was mir im Kontakt mit Kollegen und Kunden geholfen hat. Privat mag ich es nach wie vor, etwas mehr zu geben und meine Freunde und Familie glücklich zu machen"

"Ich bin oft misstrauisch gegenüber der Arbeit anderer und prüfe die Zuarbeit zu Projekten intensiv. Im Beruf empfinde ich das nach wie vor als nützlich, im Alltag habe ich gelernt, mich etwas zurückzunehmen und Dinge auch mal passieren zu lassen." 

Nachvollziehbare Stärken - bitte gut begründet

Narzisten und andere Psychopathen sollen bis zu viermal häufiger in Machtpositionen vertreten sein als Menschen ohne psychische Auffälligkeiten. Dennoch kann es ein großer Nachteil sein, die eigenen Stärken überzustrapazieren.

Doch auch wer bei der Nennung von eigenen Stärken zögert oder sich zu sehr auf Berufsrelevante Felder konzentriert, kann damit Wichtiges verschweigen. Stolz auf persönliche Erfolge und Stärken wirkt im Bewerbungsgespräch gut, wenn die Meilensteine selbst erarbeitet wurden, vielleicht sogar aus Schwächen heraus entstanden. Stärken und Erfolge im Bewerbungsgespräch sollten methodisch so genannt werden, dass Sie auf die Entstehung oder Entdeckung der Stärken eingehen oder die Nennung auf natürliche Art begründen:

"Da ich selbst gerne bastle und tüftle, schweiße und löte ich auch zuhause in verschiedenen Verfahren, z. B. Fahrradrahmen oder ein kleines Aluminiumboot. Einmal habe ich mir auch einen drehbaren Christbaumständer gebaut."

"Ich war schon immer sehr geduldig, an fairen Lösungen interessiert und konnte dabei sehr überzeugend wirken. In meiner letzten Position konnte ich dies nutzen, um auch Problemkunden ein Lächeln und positive Feedbacks abzugewinnen."

"Ich war schon immer sehr genau und forderte das auch von anderen. Darum wechselte ich mein Fachgebiet in die Buchhaltung und bin momentan für alle im Unternehmen die Ansprechpartnerin bei buchhalterischen Fragen."

Persönliche Stärken und Errungenschaften können genannt werden, wenn diese einen Eindruck über Ihren Charakter geben. Auch die Verknüpfung mit anderen positiven Seiten und das Aufzeigen davon, dass Sie Ihre starken Seiten weiter ausbauen, spricht für Ihre Fähigkeiten:

"Ich habe ein sehr gutes Gedächtnis und werde darum von meinen Vereinskameraden im Autoclub gern bei Fachfragen um Hilfe gebeten."

"Ich konnte Dinge lange nicht gut erklären. Dann habe ich angefangen, strukturiert Texte zu schreiben. Heute hat mein Blog, in dem ich Nähtechniken erkläre, immer mehr Follower."

"Ich bin immer eine Führungspersönlichkeit gewesen: In meinem Verein war ich schon früh Jugendtrainerin und wurde in den Vorstand gewählt." 

"Schon kurz nach der Ausbildung fragten mich neue Kollegen um Rat und Hilfe. Später habe ich mir in einer Fortbildung zum Fachwirt Managementtechniken angeeignet, um diese Kenntnisse noch erfolgreicher auf das Berufsleben zu übertragen."
 

Wie finde ich meine Stärken und Schwächen?

Um Stärken und Schwächen im Bewerbungsgespräch möglichst realistisch zu nennen, können Sie sich auf Erfahrungswerte, Selbstanalyse und Menschen in Ihrem Umfeld verlassen:

  • Fragen Sie Familie, Partner und Freunde vor dem Bewerbungsgespräch, wo Ihre Stärken und Schwächen liegen
  • In welchen Gebieten und Fachbereichen haben Sie die meisten Erfahrungen?
  • Vor welchen Tätigkeiten scheuen Sie sich?
  • Wo konnten Sie in der Vergangenheit im Unternehmen erfolgreich sein?
  • Welche Techniken und Skills haben Sie (z. B. aus Fort- und Weiterbildungen, Schulungen, etc)?
  • Gibt es Fähigkeiten aus dem Privatbereich, die sich auf die Arbeitswelt übertragen lassen?
  • Was sagen (ehemalige) Kollegen oder Freunde aus der Schule, Ausbildung und Weiterbildung?
     

Stärken und Schwächen im Bewerbungsgespräch - bloß nicht konstruieren!

Denken Sie auf keinen Fall, dass Sie durch geschickt ausgewählte und konstruierte Stärken und Schwächen aus einer Liste besonders erfolgreich sein können.

Verantwortliche, die Bewerbungsgespräche und Jobinterviews durchführen, sind in der Regel darauf geschult und können aus den Bewerbungsunterlagen, dem Auftreten und dem Verhalten ein gutes Gesamtbild über die Bewerber erstellen. Konstruierte Stärken und Schwächen, die aus einer Beispielliste übernommen wurden, wirken künstlich oder langweiligen die Interviewpartner schnell. 

Recruiter und Interviewer zu belügen oder irgendwelche Scheinfakten vorzugeben, scheitert in der Regel und wird durch komplizierte Rückfragen oder Langeweile quittiert.

Denken Sie daran, dass Sie einer von vielen Bewerbern sind und dass Sie in Erinnerung bleiben müssen. Sich dabei als Mensch zu präsentieren und zu versuchen, sich reflektiert selbst einzuschätzen, ist ein großer Vorteil.

Konzentrieren auf Wichtiges

Wirken Sie nicht charakterlos, indem Sie von Ihrer Vorliebe für ausgedehnte Schaumbäder oder abstrakt über Ihrer Stärke erzählen "wenn es darauf ankommt, richtig Leistung geben zu können".

Konzentrieren Sie sich auf wichtige Kenntnisse und Errungenschaften aus der Arbeitswelt, sei es, dass Sie die dreijährige Ausbildung in nur zwei Jahren absolvierten, sich in einem Fachbereich etablieren oder schon seit Jahren als Teamleiter die Vorgaben der Geschäftsführung erfolgreich umsetzen konnten.

Stärken und Schwächen aus dem Privatleben sollten nicht überstrapaziert werden. Nur wenn Sie besondere Erfolge verbuchen konnten, die für Sie als potenziellen Angestellten sprechen, darf die Erzählung etwas ausschweifender sein.

Stärken und Schwächen im Bewerbungsgespräch: Tipps und No-Gos

Halten Sie sich den Sinn der Stärken und Schwächen im Bewerbungsgespräch vor Augen: Bewerbungsgespräche sollen Unternehmen dienen, Bewerber genau zu prüfen. Nachdem Bewerbungsunterlagen vorsortiert und später analysiert wurden, bietet Ihnen das Bewerbungsgespräch die Chance, sich selbst als Vorauswahl zu bestätigen und positiv in Erinnerung zu bleiben. 

Im Rahmen der Vorstellung der eigenen Person dienen die Stärken und Schwächen im Bewerbungsgespräch dazu, Ihren Charakter, die Fähigkeiten der Selbsteinschätzung und auch Ihre kognitiven Fähigkeiten anhand der Art der Antwort zu determinieren. Überraschende Rückfragen der Interviewer können bei den Stärken und Schwächen im Bewerbungsgespräch als Prüfung auf Charakterfestigkeit und Ehrlichkeit folgen.

Beliebt ist auch die Frage nach den "größten Schwächen und Stärken" im Bewerbungsgespräch. Überlegen Sie sich für diesen Fall maximal zwei Antworten für Stärken und zwei Antworten für Schwächen und Begründen Sie dann auch, warum diese Beispiele exemplarisch sind.

Listen mit Stärken und Schwächen für das Bewerbungsgespräch, die auf eine Berufsgruppe zugeschnitten sind, sollen mit Vorsicht genutzt werden. Diese sind zwar eher auf konkrete Anforderungen im Berufsfeld angepasst, doch gehen noch immer nicht darauf ein, wie gut jemand zum Team passen wird.

NoGo Stärken und Schwächen im Bewerbungsgespräch:

  • lügen, stark über- oder untertreiben
  • Antworten aus Beispiellisten kopieren
  • nicht auf Rückfragen vorbereitet sein
  • oberflächlich antworten
  • langweilig und charakterlos erscheinen

Punkten Sie durch Stärken und danach durch Schwächen

Eine gute Selbsteinschätzung zeugt bereits von Ihren Fähigkeiten und ist ein wichtiges Werkzeug, um sich Stärken nicht über den Kopf wachsen zu lassen und Schwächen zu überwinden.

Eine genaue Schilderung dazu, wie Sie Erfolge in Ihrer Laufbahn mit Stärken erreichen konnten und auf dem Weg Schwächen überwinden oder erfolgreich und effektiv an bestehenden Schwächen arbeiten, zeigt dabei, dass Sie selbstbestimmt und bewusst leben und arbeiten können - kurzum, ein potenzieller Gewinn für das Unternehmen sind.

Denken Sie im Interview auch an die Recruiter, welche das Jobinterview führen. Bringen Sie also Wichtiges auf den Punkt, überzeugen Sie durch scharfe und klare Erklärungen und zeigen Sie dabei hier und da etwas Charakter und Individualität. Interviewpartner und Recruiter wissen, worauf im Jobinterview bei Bewerbern geachtet werden muss, um den passenden Baustein für das Unternehmen, das Team und die Art der Aufgaben zu finden.

Natürlichkeit und Ehrlichkeit sind eine Grundvoraussetzung, um im Bewerbungsgespräch mit den Interviewpartnern zusammenzuarbeiten - schließlich sollen Sie den Job nicht nur bekommen, sondern so schnell wie möglich im passenden Team und mit Ihren Aufgaben funktionieren und wachsen.

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