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Stress am Arbeitsplatz - heute schon genervt?

Klingelnde Telefone, nervige Kollegen und ein wachsender Berg an Aufgaben - Arbeitsstress kann schwerwiegende Folgen haben. Wie wird er bewältigt? Etwa die Hälfte der Deutschen hat auf Arbeit Stress. Und dieser ist nicht immer konstruktiv oder positiv. Das Krankheitsbild "Burn-out" wurde erst kürzlich durch die Weltgesundheitsorganisation, als Resultat nicht bewältigten Arbeitsstresses, anerkannt. Die psychische Erkrankung ist nur eine der Folgen, die von Stress am Arbeitsplatz ausgelöst wird. So geben 50 Prozent der gestressten Personen in einer Umfrage der Technikerkrankenkasse an, aufgrund der Stressbelastung unter seelischen Problemen zu leiden Sind Sie einer der Menschen, die bereits Symptome zeigt, aber denkt, einfach nur durchhalten zu müssen? Ein großes Risiko: Stress wird häufig unterschätzt und dadurch nicht bewältigt. Wir zeigen, wie Sie Gefahren durch Stress früh erkennen und wie Stress auf Arbeit minimiert werden kann.

Deutschland und der Arbeitsstress

Die Zahl der Krankheitstage, die aufgrund von stressbedingter Überlastung anfiel, hat sich von 2012 bis 2016 um ein Drittel auf etwa 30 Millionen Fehltage erhöht. Doch Stress ist nicht unbedingt schlecht. Biologisch gesehen ist er ein Werkzeug des Körpers, um konzentrierter zu sein, Gefahrensituationen zu entkommen oder dagegen anzukämpfen.

Was ist Stress?

Stress ist eine Reaktion des Körpers auf bestimmte äußere Umstände. Der Körper setzt sogenannte Stresshormone wie Cortisol, Adrenalin und Noradrenalin frei. Als Reaktion steigt der Blutdruck, die Wahrnehmung verbessert sich, Muskeln und Atmung gehen in Leistungsbereitschaft und der Stoffwechsel steigt an. Es wird zwar zwischen negativem Stress (Distress) und positivem Stress (Eustress) unterschieden, die Hormone, welche die Arten von Stress verursachen, sind allerdings dieselben. Lediglich der psychische Effekt durch Entspannungsphasen ist unterschiedlich.

Während Eustress, wie ihn Sportler vor einem Wettkampf, Verliebte vor dem ersten Kuss oder vor der Hochzeit empfinden, durchaus beflügeln kann, wirkt Distress eher hemmend und überfordernd. Distress ist die Form von Stress, die mit einem Gefühl der Angst, Überarbeitung und Burn-out verbunden wird. Grund dafür ist, dass bei positivem Stress Phasen der Entspannung auftreten, während bei der negativen Belastung Körper und Geist permanent angespannt und im Stressmodus sind.

Konstruktiv und ungefährlich ist Stress dann, wenn er mit positiven Gefühlen einhergeht und genug Phasen der natürlichen Entspannung folgen. Biologisch gesehen erfolgt dies durch die Ausschüttung des Hormons Corticotropin.

Gibt es heute andere Stressbelastungen?

Wie aus einer Analyse zum Arbeitsaufwand und Stress hervorgeht, kann ein Sinken des täglichen Arbeitspensums und ein Anstieg der Stressfälle verzeichnet werden. Wie passt mehr Stress am Arbeitsplatz zu weniger Arbeit? Was wie ein Widerspruch klingt, ist auch in der sich ändernden Lebensweise zu begründen.

Der BKK Gesundheitsreport von 2019 kommt z. B. zu dem Schluss, dass Stress in Stadt größer ist, als auf dem Land und psychische Störungen häufiger vorkommen. Der Grund dafür sind wohl auch moderne Lebensentwürfe, welche den Stress auf Arbeit mit Stress im Alltag kombinieren: Überfüllte Plätze, volle Verkehrsmittel, Rushhour, Meldungen auf dem Smartphone, hektische Alltagsplanung und auch die Angst vor sozialem Abstieg und Isolation sind täglich existent. Auf dem Land scheint die Natur und ländliche Ruhe eher eine entspannende Wirkung zu entfalten. Und so gelingen in ruhigen ländlichen Regionen die Entspannungsphase und die Gestaltung der Freizeit ohne weitere Stressfaktoren besser.

Wie sehr sich Gesellschaft wandelt, zeigt die Analyse der "fear of missing out" - die Angst davor, etwas zu verpassen. Also davor, dass sich mein Freundeskreis ohne mich verabredet oder ich mich vor einer Party drücke, weil ich mal entspannen möchte und so die Feier meines Lebens verpasse. Als Gegenentwurf zur Angst davor, etwas zu verpassen, wurde auch "the Joy of missing out" definiert: Einfach mal ein Treffen absagen und auf der Couch die Füße hochlegen - die Freude, mal nicht dabei zu sein, kann Stress vorbeugen. Ist das schon ein Indiz dafür, wie Arbeitsstress begegnet werden kann? Genügt es gegen Stress auf der Arbeit, einfach mal die Füße hochzulegen?

Was führt zu Stress am Arbeitsplatz?

Workaholics können nicht ohne Job. Eine Woche ohne Arbeit? Unvorstellbar. Termine, das Tagesgeschäft, Planung, Erfolge und Misserfolge - all das wird für sie zu einer Sucht, die das gesamte Leben bestimmt. Und eine Befriedigung empfinden diese Arbeitssüchtigen nur, wenn sie immer mehr leisten wollen.

Deadlines, Termine und Leistungsdruck durch andere oder sich selbst sind häufige Gründe für Stress. Doch auch sozialer Stress kann eine Belastung sein und zu Erkrankungen führen. Mobbing durch Kollegen wird von vielen als Grund für schlaflose Nächte und Ängste angegeben. Der Druck der Gesellschaft und der Kollegen ist so groß, dass man sich davor fürchtet, am nächsten Tag auf Arbeit oder in die Schule zu gehen.

Der Effekt, der die Freizeit aus Angst vor den täglichen Pflichten und anderen ist sogar schon bei Schülern festzustellen. So leiden etwa 43 Prozent der Schüler durch Stress, der sich aus Angst vor Noten oder Mobbing ergibt, auch psychisch. Als stressig wird es auch empfunden, wenn man in der Freizeit für den Chef oder Kollegen erreichbar sein muss oder regelmäßig durch Überstunden belastet wird.

So krank macht Stress

Stressbedingte Krankheiten können die Folge davon sein, dass der Körper zu oft in einen Angstzustand versetzt wird. Krankheitsbilder, die mit Stress in Verbindung gebracht werden:

  • Angst und Angststörungen
  • Burn-out
  • Chronisches Erschöpfungssyndrom (CFS)
  • Depressionen
  • Essstörungen
  • Haarausfall
  • hormonelle Schwankungen
  • Konzentrationsstörungen
  • Schlafstörungen
  • Suchterkrankungen
  • Zwangsstörungen

Der Stresskatalog - Habe ich Burn-out?

Um Burn-out und andere stressbedingte Erkrankungen zu vermeiden, sollte ein Arzt aufgesucht werden, sobald Sie die folgenden Symptome an sich feststellen:

  • Atembeschwerden, Bluthochdruck, Herzrasen Schwindelgefühle
  • Gelenk-, Kopf-, und Nackenschmerzen
  • Magen-Darm-Erkrankungen
  • Schlafstörungen, chronische Müdigkeit
  • Zuckungen und Muskelkrämpfe

Was hilft gegen Stress am Arbeitsplatz?

Stress am Arbeitsplatz tritt oft dann auf, wenn ein zu großes Arbeitspensum bewältigt werden muss und keine klare Trennung zwischen Arbeit und Freizeit mehr möglich ist. So geben Personen z. B. an, dass sie aufgrund von Doppelbelastungen, wie Karriere und Familie viel Stress haben können, die Familie auf der anderen Seite aber auch als Faktor genannt wird, der Entspannung und Kraft geben kann.

Entspannungsphasen sollten auch während der Arbeitszeit gesucht: Zusätzlich zur Mittagspause, sollten während einer Stunde mindestens 10 Minuten dazu genutzt werden, um kurz abzuschalten und die Konzentration auf ein anderes Ziel zu lenken. Ein netter Plausch mit Kollegen, der Weg in die Teeküche, ein paar Dehnübungen und der Blick aus dem Fenster sorgen für einen Ausgleich und haben bei sitzender Tätigkeit auch positive Effekte auf den Kreislauf.

Negativer Stress kann auch zu positivem Eustress geformt werden. Haben Sie z. B. Stoßzeiten zu bewältigen, setzen sie sich das positive Ziel, danach einen Kaffee zu kochen oder sich mit einem gesunden Snack zu belohnen. Die Arbeit mit etwas Positivem zu verbinden und Entspannungsphasen zu schaffen kann auch dann helfen, wenn neben Stress Unzufriedenheit empfunden wird.

Eine gute Work-Life-Balance ist der wohl wichtigste Faktor gegen die Folgen von Stress. Sollten Sie regelmäßig unter Stress- und Burn-out-Symptomen leiden, empfiehlt sich der Weg zum Arzt. Physische und Psychische Probleme gehen oft Hand in Hand und können, wenn sie nicht früh behandelt werden, so lähmend sein, dass man den Alltag aus eigener Kraft nicht mehr bewältigen kann.

Stress im Job - Chancen auf Verbesserung?

Sport, Spaziergänge, Meditation und Co. können zwar gegen Stress helfen, wichtig ist aber, der Entstehung von Stress auf der Arbeit zu entgegnen, indem die Voraussetzungen geändert werden. Vor allem Menschen in schlecht bezahlten Jobs geben an, gestresst und unglücklich zu sein. Um die Wertschätzung und die Chancen auf eine entspannte, besser bezahlte Stelle zu erhöhen, sind ein zweiter Bildungsweg oder eine Fortbildung wichtige Maßnahmen zur Steigerung der Wertschätzung und Minimierung von Stress. Ohne langfristige Perspektive einfach jeden Tag durchhalten zu wollen führt nicht zu einer Steigerung des Glücksgefühls und kann krank machen. Und so sollte die Karriere im Auge behalten und eine grundlegende Änderung der Lebensumstände in Betracht gezogen werden.

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