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Vereinbarkeit von Familie und Beruf

Familie und Beruf, Kinder oder Karriere, eine radikale Trennung dieser Welten ist heute nicht mehr notwendig. Warum lahmt die Geburtenrate dennoch?
Beruf und Familie schließen sich nicht aus. Mit den folgenden Konzepten können die Bedingungen für Familie und Beruf verbessert werden.

Vereinbarkeit von Familie und Beruf

Trotz eines Kinderwunsches Karriere machen, Familie und Beruf vereinen, das geht nicht von allein. Zwar versuchen moderne Konzepte, die Hürden etwas zu erleichtern, doch spätestens wenn die Kleinsten einfach nicht akzeptieren wollen, dass die Präsentation im Homeoffice grade kurz wichtig ist, merkt man, dass es alles andere als einfach sein kann. 

Auch das Erbe der alten Geschlechterrollen ist beim Blick darauf, wie Männer und Frauen mit dem Kinder- und Karrierewunsch umgehen, erkennbar. Mit Kindern im Homeoffice genug Zeit und Energie für die Familie nach Feierabend und es als Paar schaffen, alle Anforderungen so zu vereinen, dass der Haussegen nicht ins Wanken gerät und für alle Parteien eine gute Lösung gefunden wird. Das ist im Prinzip alles machbar, doch woran scheitert es noch immer?
 

Vereinbarkeit von Familie und Beruf - von Motivation und Fragen der Politik

Ist Kindererziehung noch mehr Frauen- und Karriere eher Männersache? In Deutschland geben 74 Prozent der Befragten einer Studie von ipsos an, dass Arbeitgeber Männern Aspekte der Kinderbetreuung erleichtern sollten. Etwa 46 Prozent der Befragten sagen weiterhin, es würde nicht genug getan werden, um eine Gleichberechtigung bei der Kinderbetreuung zu erzielen. Interessant ist auch der bewusste Bezug zum Rollenbild in der Erziehung: 22 Prozent der Männer und 15 Prozent der Frauen gaben in der aktuellen Studie an, dass Männer weniger “Männer seien”, wenn sie sich um die Kinder kümmerten.
 

Familie und Beruf - Pläne und Realität abweichend

Die Umfrage zur Geschlechterfrage bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf stammt nicht aus dem Jahr 1950, sondern aus 2019. Dabei haben Männer und Frauen im Prinzip die Absicht, die Aufgaben fair zu teilen. Die Frage, ob Familie oder Beruf wichtiger seien, wird von beiden ausgeglichen beantwortet: Frauen wollen in der modernen Zeit Karriere machen und stehen den Männern in nichts mehr nach.
Doch wenn es im praktischen Leben darum geht, Familie und Beruf zu vereinen, ergibt sich ein anderes Bild. Während 69 Prozent der Mütter in Teilzeit arbeite, sind es nur sechs Prozent der Männer, die Ihre Arbeitszeit zu Gunsten der Familie verkürzen.
 

Wie können Familie und Beruf vereinbart werden?

Bei der Betreuung von Kindern und der Vereinbarkeit von Familie und Beruf sind die folgenden Ansätze anerkannte moderne Lösungen gegen den Mangel an Nachwuchs und die alternde Gesellschaft.

Dazu gehören:

  • Elternzeit
  • Teilzeit
  • Homeoffice und Telearbeitsplatz
  • Ganztagskindergärten und Ganztagsschulen
  • betriebliche Kinderbetreuung

Mehr zu modernen Ansätzen für Paare, die Familie und Beruf, Kind und Karriere vereinen wollen. 


Mit Arbeitspolitik Familie und Beruf vereinen – Deutschland hinkt im Vergleich

Die Politik sucht immer nach Ansätzen, um Aspekte der Gleichberechtigung in den Alltag zu integrieren. Rechte der Frauen und Bedingungen für die Gründung einer Familie sollten mit Blick auf die Bevölkerungspyramide und aktuelle Umfragen im Fokus stehen. Die Suche nach kompetenten Fachkräften kann nur erfolgen, wenn überhaupt Nachwuchs vorhanden ist. Leider schwächelt Deutschland mit der Aufgabe, ein Arbeitsumfeld zu schaffen, welches die Geburtenrate vorantreibt und für gleiche Bedingungen beim Erziehen der Kinder sorgt.

Im europaweiten Vergleich mit Fokus auf die Geburtenrate hinkt Deutschland mit weniger als 1,5 Kindern pro Frau dem europäischen Durchschnitt hinterher. An der Spitze stehen die Länder:

  • Frankreich
  • Irland
  • Vereinigtes Königreich
  • Schweden
  • Finnland
  • Belgien
  • Dänemark

Die Frage nach der Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist nicht damit zu beantworten, dass Frauen in die Mutterrolle gedrängt werden, indem Männer bevorzugt besser bezahlte Arbeitsplätze zur Verfügung stehen und steuerliche Anreize geschaffen werden, doch auch mal ein paar Jahre weniger zu verdienen. Das zeigt ein Blick auf Länder, in denen die Geburtenrate über dem europäischen Durchschnitt liegt. Dort dominiert das sogenannte Doppelverdienermodell.
 

Doppelverdienermodell und Kinderbetreuung

Im Doppelverdienermodell, wie es in Frankreich oder Schweden vorkommt, gelten andere Grundbedingungen als in Deutschland. Statt wie beim deutschen Ehegattensplitting werden Gehälter individuell besteuert. Das hat den Effekt, dass sich im Gegensatz zum Ehegattensplitting beide Partner dazu motiviert fühlen, ein eigenes Einkommen zu verdienen, wie aus Analysen des Zentrums für politische Bildung hervorgeht.

Das Ehegattensplitting ist ein Relikt aus dem Jahr 1958. Heute gilt es nicht mehr als zeitgemäß und verursache nach aktuellen Angaben jedes Jahr Kosten in Milliardenhöhe. Auch in Fragen der Kinderbetreuung gilt es, Anschluss zu finden. Hier profitieren die ostdeutschen Bundesländer von den intensiven Sozialstrukturen aus der DDR. Kindergartenplätze sind dennoch umkämpft, wie ein Blick auf die Betreuungsquoten zeigt.

Die Betreuungsquote liegt laut Statistischem Bundesamt im:

  • Süden Deutschlands bei 14,5 bis 34,7 Prozent,
  • Westen Deutschlands überwiegend bei 26,7 bis 34,7 Prozent und
  • Osten bei 47,0 bis 62,4 Prozent.

In Schweden sind, wie in anderen skandinavischen Ländern, gute Bedingungen durch umfassende Kinderbetreuungskonzepte gegeben. Die Frauenerwerbsquote sei in diesen Ländern dadurch höher, wie das Zentrum für politische Bildung angibt.
Dass die Politik allerdings die Grundhaltung der Menschen nur begrenzt beeinflussen kann, zeigt die bereits angesprochene ipsos-Umfrage: Auch in Schweden denken noch immer 17 Prozent der Männer und 11 Prozent der Frauen, dass Männer in der Rolle des Arbeiters als wahrer Mann gelten und diesen Status durch die Betreuung der Kinder einbüßen würden.


Homeoffice und Telearbeitsplätze auf dem Vormarsch

Während der Covid-19-Pandemie stieg die Anzahl der Homeoffice-Arbeitsplätze rasant. Vor der Pandemie waren es vor allem größere Unternehmen, welche Arbeitnehmern die Option der Heimarbeit anbieten konnten: Etwa 74 Prozent der Arbeitgeber mit über 500 Mitarbeitern räumten schon vor der Pandemie das Recht auf Homeoffice ein, von dem die Vereinbarkeit von Familie und Beruf profitieren kann.

Der Satz “Ich mach das Zuhause fertig” fiel vor der Pandemie im Durchschnitt in 51 Prozent aller deutschen Unternehmen regelmäßig. Laut einer Ifo-Umfrage waren es im Jahr 2020 im Durchschnitt 76 Prozent der Unternehmen, bei denen regelmäßig Angestellte im Homeoffice tätig wurden. Der Anteil großer Unternehmen mit Mitarbeitern im Homeoffice stieg sogar auf 97 Prozent.


Recht auf Homeoffice für Vereinbarkeit von Familie und Beruf

Aktuell fordern Gewerkschaften und Stimmen aus der Politik, dass ein Recht auf Homeoffice eingeräumt werden soll. Dieses könne langfristig einen Einfluss auf die Optionen der Kinderbetreuung oder die Betreuung Pflegebedürftiger haben. Die Verantwortung für diesen Wandel hin zum Recht auf Homeoffice dürfe nicht allein Sache der Unternehmen sein, sagte beispielsweise DGB-Chef Reiner Hoffmann in einem Interview.

Das Problem, welches vor allem kleinere Unternehmen trifft: Mit dem “richtigen” Homeoffice, also einem Telearbeitsplatz, sind strenge Vorgaben verbunden. So müssten die Arbeitgeber dafür sorgen, dass Arbeitnehmer von der DSL-Leitung bis zu Schreibtisch, PC, Maus und Tastatur einen Arbeitsplatz in den eigenen vier Wänden eingerichtet und finanziert bekommen. Diese finanzielle Zusatzbelastung könnte einige Unternehmen vor Probleme stellen.


Vereinbarkeit von Familie und Beruf bleibt dringende Aufgabe

Noch immer hinkt die Gleichberechtigung in Deutschland hinterher. Und mit ihr die Voraussetzungen für die Vereinbarkeit von Familie mit dem Beruf. Nach wie vor sind es Frauen, welche bei Karrierefragen zurückstecken, häufiger in Teilzeit gehen und auch öfter im Homeoffice sitzen. Dabei sind Probleme der alternden Bevölkerung in der modernen Welt nicht durch klassische Mutterrollen zu lösen. Frauen sollten Chancen der Weiterbildung und Aufstiegsfortbildungen nutzen, um sich in Unternehmen mehr Spielraum zu verschaffen und das Gehalt zu steigern.

Karriere muss nicht nur Aufgabe der Männer sein. Dass Frauen oft leistungsfähiger sind, zeigt sich beispielsweise an den Bestehensquoten der Fortbildungsstatistiken aus dem Jahr 2019. So lag die Bestehensquote der Frauen bei der Aufstiegsfortbildung fast zwei Prozent höher als die durchschnittliche Bestehensquote. Langfristig kann eine Kombination aus steuerlicher Vergünstigung angelehnt an das Doppelverdienermodell, eine Verbesserung des Angebots der Kinderbetreuung und die Option, im Homeoffice den Spagat aus Familie und Beruf zu schaffen, die lange überfälligen Voraussetzung herstellen. Außerdem gilt es, die Karriere in die eigenen Hände zu nehmen, was durch berufsbegleitende Weiterbildungen und Teilzeitmodelle durchaus möglich ist.

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