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Virtuelle Teambuilding Maßnahmen

Schnitzeljagd bis After-Work: Was muss Teambuilding leisten? Wie funktioniert die Psychologie dahinter? Welche Anforderungen müssen Konzepte erfüllen? Gutes Teambuilding kann eine verstreute Gruppe zur erfolgreichen Einheit formen. Doch dafür bedarf es guter Arbeit von Profis.

Mit verbundenen Augen lässt sich Matthias nach hinten fallen, das Team hinter ihm wird ihn auffangen und für den Notfall liegen ein paar Turnmatten da. Danach geht es noch zusammen wandern und ein Quiz wird veranstaltet. Kann das als Teambuilding-Maßnahme erfolgreich sein?

Teambuilding wird häufig auf die leichte Schulter genommen. Verschiedene Anbieter locken mit Geocaches oder einer Schnitzeljagd, die im modernen Anstrich mit dem iPad durch die Stadt führen. Auch Lama-Wanderungen, bei denen jeder ein Profilfoto für Social Media schießen kann. Auch die Weihnachtsfeier und ein gemeinsamer Nachmittage im Biergarten werden großzügig unter Teambuilding verbucht.

Nun rufen uns diese Happenings zwar in Erinnerung, dass wir alle einfach Menschen sind, die gemeinsam Spaß haben können und sogar die Stimmung im Büro auf kurz oder lang verbessern. Doch vermögen Sie auch, uns als Team formen und die Leistung der Gruppe durch konzipierte Zusammenarbeit zu neuen Höhen anfeuern?

Was gutes Teambuilding leisten muss und wie das funktioniert, hat verschiedene Wissenschaftler beschäftigt. Einfach ist das nicht und nur mit ein paar Teambuilding-Spielen erreicht man leider langfristig wenig. Doch gute Teambuilding-Ideen funktionieren.

Teambuilding-Events für neue Erfolge

“There is no I in Team” - heißt die allgemeine Devise für die Teamarbeit. Dieser Ansatz mag gut brüderlich dazu motivieren, alles zu geben, doch verkennt er die Hintergründe eines Teams. Natürlich besteht ein Team aus verschiedenen Einzelpersonen, die alle Aufgaben nach Kompetenzen übernehmen, Schwächen ausgleichen und gemeinsam besser werden können.

Menschliche Interaktion funktioniert und kann sogar ohne Worte stimmige Produkte erzeugen. Als soziale Wesen sind wir darauf ausgelegt, zusammen zu funktionieren. Dieser Status kann auch bei Menschen erzielt werden, die recht künstlich zusammengewürfelt sind – nämlich am Arbeitsplatz.

Teambuilding-Spiele virtuell gestalten

Von den Top 20 Teambuilding-Spielen bis zu Ideen, wie man auch im Homeoffice den Zusammenhalt stärken kann, gibt es viele schnell zusammengewürfelte Ansätze. Diese können sich eignen, um mit den Kollegen nach Feierabend Spaß zu haben, eine Runde zu quizzen, digitales Teambuilding im Corona-Lockdown auszuprobieren und dadurch wichtige Abwechslung zu generieren.

Das hilft in Zeiten, in denen das Miteinander zu kurz kommt, weil Kollegen im Homeoffice sind. Auch für den persönlichen Gemütszustand sind solche Veranstaltungen in der Monotonie des Lockdowns wichtig. Doch erfüllen die meisten der vorgeschlagenen Teambuilding-Maßnahmen nicht annähernd die Voraussetzungen für die Verbesserung der Zusammenarbeit. Um die Performance im Team zu steigern, bedarf es der Analyse und Hilfe von Spezialisten.

Soziale Prozessoptimierung von Ist- zu Sollzustand

Professionelle Teambuilding-Coaches analysieren den Zustand des Teams nach der Rücksprache mit Managern und Umfragen bei den Angestellten. Im Prinzip kooperiert jedes Team. Die Frage ist dabei, wie gut es funktioniert und mit welchen Mitteln Potenziale ausgeschöpft werden können.

Wie bei der Prozessoptimierung werden dafür:

  • ein Ist-Zustand analysiert,

  • Möglichkeiten definiert,

  • ein zeitlicher Rahmen und Fahrplan aufgestellt

  • ermittelt, was dafür notwendig ist und

  • wie das Ziel, der Sollzustand, aussehen soll.

Dürfen virtuelle Teamevents auch Spaß machen?

Was hinter den Kulissen des Teambuildings abläuft, spielt für das Team nicht immer eine Rolle. Der Plan und die gewünschten Ziele werden mit den Verantwortlichen abgestimmt. Die Teambuilding-Ideen werden daraufhin auf die individuellen Bedürfnisse des Teams und der Charaktere zugeschnitten.

Das hat mit einer Happy Hour unter Kollegen in der nächsten Trinkhalle absolut nichts zu tun. Bei der Optimierung durch Teambuilding-Prozesse geht es darum, dass das Team die Möglichkeiten der Zusammenarbeit neu erfährt und sich dabei auch Einzelne selbst neu kennenlernen.

Natürlich darf Teambuilding Spaß machen. Schließlich unterstützt der angenehme Belohnungseffekt und die Freude daran, die Aufgaben gemeinsam zu lösen, auch den Lerneffekt. Wie das funktioniert, definierte schon die Psychologie in verschiedenen Modellen des Teambuildings, auf welche auch professionelle Konzepte aufbauen.

Psychologie des Teambuildings

Teamdynamik faszinierte als wissenschaftliche Disziplin schon die Psychologie oder auch die Soziologie. Wie eine Gruppe funktioniert und wie Dynamiken der Gruppe nachhaltig beeinflusst werden können, ist Teil vieler Strukturmodelle des Teamdesigns. Ein bekanntes Modell, das auch professionelle Teambuilding-Trainer für die Analyse und Erstellung von Konzepten nutzen, ist das Fünf-Phasen-Modell von Tuckman und Klotz. Das Modell zu kennen, ist keine Anleitung dafür, selbst ohne Vorkenntnisse an einem Team “herumzudoktern” es dient vielmehr der Vereinfachung und dem Überblick.

Fünf-Phasen-Modell des Teambuildings

Forming – Storming – Norming – Performing – Adjourning: Die fünf Phasen des Teambuilding-Modells nach Bruce Tuckman analysieren die Zusammenarbeit von Teams im Angesicht neuer Aufgaben. Vom Kennenlernen bis in die Leistungsphase beschreibt das Modell, wie sich die Gruppen- und Teamdynamik verhält. 

Der Unterschied zur Feierabendbespaßung: Das Konzept offenbart klare Verbesserungspotenziale, mit denen im Teambuilding-Event gearbeitet wird. Die sechste Phase “Endjourning” wurde im Jahr 2000 erweitert. Die anderen Stufen aus 1965 und 1977 blieben unverändert.

1. Phase: Findungsphase

Der erste Kontakt: In der Findungsphase lernen sich die Mitglieder des Teams gegenseitig kennen. Die Dynamik und das Zusammenwirken sind zu diesem Zeitpunkt noch unklar. Es geht darum, dass sich die verschiedenen Charaktere treffen und die Eigenarten kennenlernen. Auch vollzieht sich die Suche nach einem Gruppengefühl (das noch unabhängig vom “Wir” aus der Problemlösung oder Leistungsphase ist) und der Sicherheit der Einzelnen im Team.

2. Phase: Auseinandersetzungsphase

Die Phase ist von Unstimmigkeiten gezeichnet. Es kommt zu Streit zwischen den Personen, der durch Kommunikation gelöst werden muss. Begründet ist dieser darin, dass sich die einzelnen Teilnehmer nicht einig darüber sind, wie die Hierarchien in der Gruppe aufgestellt sind, welches Individuum wo seine Leistungsspitzen hat und in welchem Ton man zum Einklang kommen könnte. 

Da viel Energie in die Findung des effektiven Wir-Gefühls im Fokus der Aufgabenstellung gesteckt wird, ist die Performance zu diesem Zeitpunkt gering: Ein wichtiger Grund, warum Teambuilding vor wichtigen Projekten Mitarbeiter zu Teams formen sollten.

3. Phase: Übereinstimmungsphase

Das Miteinander wird durch die Diskussion von Normen und Regeln hergestellt oder durch stille Übereinkunft geschaffen. Die einzelnen Teile der Gruppe finden nun Ihren Platz, um sich zufrieden als Teil einzubringen. Es wird ein konstruktives Gefühl der Verbundenheit geschaffen, das über das Identitätsbewusstsein, einfach dazu zu gehören, hinausgeht. Für diese Phase ist es auch erforderlich, dass einige Charaktere sich bremsen oder gebremst werden und andere dazu motiviert werden, sich stärker einzubringen.

4. Phase: Arbeits- und Leistungsphase

Mit dem effektiven Wir-Gefühl hat das Team den Arbeitszustand erreicht. Die Zusammenarbeit ist effektiv und angenehm. Man ist bereit, die Rollen flexibel zu gestalten und auch mal zu wechseln. Die gemeinsame Zielsetzung gilt als Ansporn, man motiviert sich gegenseitig und optimiert Ergebnisse im Arbeitsprozess.

5. Phase: Auflösungsphase

Das Ende eines Projektes wird von Teams mit einem guten Zusammenhalt der Mitarbeitern als schwer wahrgenommen. Zurück ins Unternehmen und dessen Tagesgeschäft, Ungewissheit über zukünftige Projekte, freudige Erwartungen der Reaktionen, Ergebnisse und des Feedbacks zur Arbeit sorgen für Verunsicherungen. Das Team zerfällt nun wieder in die Individuen und lernt aus der Erfahrung.

Für zukünftige Zusammenarbeit ist es nun wichtig, dass die Projektarbeit nachbearbeitet und dokumentiert wird. Verantwortlich dafür sind die Manager und Vorgesetzten, welche von den Teambuilding-Coaches dafür eine Anleitung erhalten.

6. Phase: Wiederzusammenkommensphase (Erweiterung)

Die Erweiterung des Modells von Tuckman betrifft Teams, welche nach der Auflösungsphase wieder zusammentreffen, um ein Teammitglied erweitert werden oder die sich ändernde Aufgabenstellung. Die Pflege des Gruppenbewusstseins muss erfolgen und diskutiert werden.

Es kann dazu kommen, dass das Team die Phasen oder Teile davon erneut durchläuft, doch ist aufgrund der Ergebnisse bereits ein Erfolg und gemeinsame Erfahrung verankert, welche die Motivation und zu erwartenden Ergebnisse noch weiter steigern.

Wie plant man Teambuilding-Events?

Das Phasenmodell ist weniger als natürlicher Prozess, dafür mehr als intensive Arbeit mit den Mitarbeitern zu sehen. Besonders die initiale Findung des Gruppengefühls und die Überwindung der wenig effektiven Phase des Kennenlernens und der Anfeindungen hin zur Teamorganisation, in der flexiblen Hierarchie, sind eine Aufgabe für Profis.

Personaler, Manager oder Vorgesetzte haben die Aufgabe, ein passendes Angebot zu wählen, welches die individuellen Bedürfnisse abdeckt. Die Anbieter sollten für die Ziele der Gruppe zugänglich sein und selbst geeigneten Input für den Soll-Zustand und die stetige Verbesserung bei der Wiederholung der Zyklen liefern.

Teambuilding virtuell in Remote-Arbeit

Homeoffice und Remote-Arbeit sind neue Herausforderungen für die Teamarbeit. Vor der Webcam Spiele zu veranstalten ist einfach. Schon heute haben sich Unternehmen auf diese Serviceleistung für Mitarbeiter verschiedener Unternehmen spezialisiert. 

Doch mit einem Blick auf das Angebot lässt sich vermuten, dass es aktuell noch an Konzepten fehlt. Die persönliche Komponente geht in Gruppenchats vor der Webcam leider verloren und das Angebot für Remote-Teambuilding dreht sich leider oft nur um Klickspiele, Tipp-Wettbewerbe und andere recht oberflächliche Spiele, die sicher Spaß machen, doch wenig nachhaltig sind, um ein neues Team zur gesteigerten Effektivität zu verhelfen.

Und jetzt alle schön effektiv!

Nach dem Teambuilding ist die Gruppe nicht wie ausgewechselt. In der Führungs- und Managementposition müssen Sie Ihre Erwartungshaltung nun realistisch gestalten. Natürlich möchte man viel erwarten, wenn in Teambuilding investiert wurde, doch besteht jedes Team aus Menschen mit verschiedenen Lernkurven und soziale Zusammengehörigkeit funktioniert nicht auf Knopfdruck.

Wichtig ist es, dass Sie auf der Suche nach geeigneten Teambuilding-Maßnahmen nicht einfach auf irgendwelche Spiele und wenig organisierter Ansätze vertrauen. Besonders bei neuen Gruppen und vor wichtigen Projekten ist es gut, wenn ein Team die gröbsten Phasen durchlaufen hat und auf gemeinsame Erfolge vertrauen kann. Professionelles Teambuilding sollte als Initialzündung dafür genutzt werden. Angenehme Events unter Mitarbeitern wie Escape-Rooms, speziell designte Teambuilding-Spiele oder lockere Aktivitäten unter Kollegen sind wichtig, um den Zusammenhalt zu pflegen.

Für die Optimierung von Teams für die Projektarbeit eignen sich diese allerdings weniger als für die Schaffung eines effektiven und harmonischen Teams durch die Annäherung der Individuen in der Gruppe.

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