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Zweiter Bildungsweg - Chance für Spätentschlossene und Durchstarter

Der zweite Bildungsweg gibt Ihnen die Möglichkeit, einen Schulabschluss nachzuholen. Für wen eignet sich diese späte Bildung? Sie wollen sich nach der Schulzeit neu orientieren? Sie haben das Abitur vielleicht wegen langer Krankheit versäumt, die Ziele im Alter neu definiert oder wollten die Jugend nicht damit verbringen, zu intensiv Schulbank zu drücken? Mit dem zweiten Bildungsweg kann jeder Schulabschluss nachgeholt werden. Oft ist dies möglich, ohne dass ein bestehendes Arbeitsverhältnis unterbrochen oder riskante finanzielle Einschnitte notwendig sind. Für den Erfolg ist es wichtig, dass konkrete Ziele gefasst werden, bevor der zweite Bildungsweg angesteuert wird. Was sind Gründe für eine Neuausrichtung? Und wie hoch sind die Erfolgsaussichten?

Untersuchung der Uni Hannover zeigt, dass der zweite Bildungsweg an Beliebtheit gewinnt. Von 1980 bis 2010 haben sich die Abschlüsse mit Hochschulreife im zweiten Bildungsweg fast vervierfacht. Wenn der zweite Bildungsweg noch vor dem 30. Lebensjahr eingeschlagen wird, gibt es später kaum Gehaltsunterschiede zu Personen, die den Abschluss im ersten Bildungsweg absolviert haben.

Welche Voraussetzungen bringt der zweite Bildungsweg mit sich?

Einfach ist der zweite Bildungsweg nicht. Neben den kognitiven Fähigkeiten, also Lernvermögen, Intellekt u. a., auch nicht-kognitive Fähigkeiten wie Durchhaltevermögen, Selbstdisziplin und Selbstmotivation Schlüsselqualifikationen auf dem Weg zum späten Abschluss sind. Wichtig ist es dabei auch, an Techniken zu feilen: z. B. die Lehr- und Lernmethoden zu verbessern. Der zweite Bildungsweg eignet sich für alle, die im Alter einen neuen Fokus auf Karriere finden und ihr Gehalt verbessern wollen. Für praktisch orientierte sollten zudem Weiter- und Fortbildungsmaßnahmen geprüft werden. Dank guter Fortbildungen staatlich geprüfter Träger können auch mit einem Haupt- oder Realschulabschluss sehr gute Gehälter erzielt werden.

Welche Abschlüsse gibt es im zweiten Bildungsweg?

Im Prinzip kann jeder Abschluss auch im zweiten Bildungsweg nachgeholt werden.

Hauptschulabschluss

Ohne einen Hauptschulabschluss ist es kaum möglich, Karriere zu machen oder ein zufriedenstellendes Gehalt zu beziehen. Der Hauptschulabschluss im zweiten Bildungsweg ist eine Voraussetzung, um sich beruflich zu orientieren und die Karriere mit einer Berufsausbildung zu beginnen. Eine Möglichkeit sind Abendschulen und berufsvorbereitende Bildungsmaßnahmen der Arbeitsagentur. Etwa dreißig Prozent der Deutschen haben einen Volks- oder Hauptschulabschluss und orientieren sich mit diesem meist in praktischen Berufen.

Realschulabschluss

Ein Realschulabschluss, auch qualifizierter oder mittlerer Schulabschluss genannt, ist nicht nur Voraussetzung für eine Ausbildung, sondern bietet auch die Möglichkeit, später an einer Berufsfachschule eine Ausbildung zu beginnen. Die Mittlere Reife, wie der Realschulabschluss noch genannt wird, ist zudem eine Grundstufe für die fachgebundene Hochschulreife. Etwa ein Viertel der Deutschen entscheidet sich schon im ersten Bildungsgang für diesen Abschluss.

Hochschulreife

Die Hochschulreife ist im zweiten Bildungsweg sehr beliebt. Vor allem Personen mit Realschulabschluss aus dem ersten Bildungsweg entscheiden sich nach der Ausbildung und einigen Jahren der Berufserfahrung dafür, die Hochschulreife im zweiten Bildungsweg zu erreichen. Die Hochschulreife oder Abitur im zweiten Bildungsweg zu erreichen qualifiziert für ein Studium an Hochschulen bzw. Universitäten. Etwa ein Drittel der Deutschen verfügt über die Hochschulreife.

Berufsfachschule

Als Konzept neben der Ausbildung sind auch Berufsfachschulen auf dem zweiten Bildungsweg beliebt. Die Arbeitsagentur sieht diesen Bildungsweg als Option vor, wenn zusätzlich ein Hauptschul-, mittlerer Bildungsabschluss oder die Fachhochschulreife erworben werden sollen.

Berufsoberschule

Nach einem mittleren Schulabschluss und einer abgeschlossenen Berufsausbildung bietet ein zweiter Bildungsweg an der Berufsoberschule die Möglichkeit, Qualifikationen für eine fachgebundene Hochschulreife oder die Allgemeine Hochschulreife zu erwerben.

Checkliste zweiter Bildungsweg

So orientieren Sie sich im zweiten Bildungsweg und erstellen sich einen individuellen Fahrplan auf dem Weg zum passenden Abschluss.

1. Welche beruflichen Ziele habe ich

2. Bildungsweg suchen, der zum Ziel passt

3. Alternativen finden und abwägen

4. Über Voraussetzungen informieren

5. Bildungsträger suchen

6. Bewerbungsvorgang

Weitere Informationen zum zweiten Bildungsweg sollten bei der Arbeitsagentur eingeholt werden.

Schulfremdprüfung und Begabtenprüfung

Wer es sich zutraut, kann die nötigen Qualifikationen, die sonst an Abendschulen oder in einem Kolleg vermittelt werden, auch auf eigene Faust erwerben. Schulfremdprüfung und Begabtenprüfung eignen sich, wenn die Bereitschaft, eigenständig zu erlernen groß ist und die nötige Expertise der Aneignung von Wissen gegeben ist.

Während bei der Schulfremdprüfung oder Nichtschüler- und externen Prüfung ein Abschluss bis zur mittleren Reife erzielt werden kann, bietet die Begabtenprüfung die Möglichkeit, das Abitur zu erwerben. Die Begabtenprüfung eignet sich aber meistens nur, wenn die eigentliche Abiturprüfung und mit ihr die Voraussetzung für das Studium an einer Universität nach dem Absolvieren des Gymnasiums aufgrund von Krankheit abgebrochen wurde und man sich nicht noch mal ein Jahr in die 13. oder 12. Klasse setzen möchte.

Zweiter Bildungsweg: BAfÖG und Kosten

Der zweite Bildungsweg ist häufig kostenfrei. In einigen Sonderfällen können je nach Bundesland und Bildungsträger allerdings Kosten erhoben werden. Weitere Informationen erhalten Sie von der Agentur für Arbeit. Ein Beratungstermin kann online beantragt werden. Ob Kosten anfallen oder nicht: Die Bewerbung für BAföG auf dem zweiten Bildungsweg ist möglich. Erfolgt im Anschluss das Studium an der Hochschule, wird elternunabhängiges BAföG oft nur noch im Sonderfall genehmigt. Dieser liegt oft dann vor, wenn zwischen Schulabschluss und Antrag genug Zeit in einer Berufsausbildung oder mit Berufserfahrung verbracht wurde.

Zweiter Bildungsweg im Vergleich zum dritten Bildungsweg

Während der zweite Bildungsweg gut geordnet, in Zusammenarbeit mit staatlichen Bildungsträgern und mit sehr guten Chancen auf eine Verbesserung der Karriere abläuft, ist der dritte Bildungsweg weniger organisiert. Der dritte Bildungsweg beschreibt die Chancen, auch ohne schulische Qualifikationen das Studium an einer Universität aufzunehmen. Dies ist meist nur nach einer Ausbildung, genug Berufserfahrung und mit dem Bestehen von Aufnahmeprüfungen möglich. Fortbildung und Weiterbildung liefern die besten Voraussetzungen, um ohne Abitur zu studieren und gesicherte Qualifikationen in der Tasche zu haben, wenn man das Studium doch abbrechen sollte. Auch das Ablegen von Eignungsprüfungen kann für das Studium an Hochschulen qualifizieren.

Versuch macht klug - wenn Motivation, Fähigkeit und Bereitschaft stimmen

Da bereits im Kindesalter die Entscheidung getroffen werden muss, welchen Bildungsweg wir einschlagen, ist es nur fair, dass die Möglichkeit der Neuorientierung offen und auch ohne große finanzielle Reserven möglich ist. Einfach ist das Erlangen eines Abschlusses auf dem zweiten Bildungsweg nicht. Selbstdisziplin, Motivation und viel Hilfe von Familie, Freunden und Bekannten sind Voraussetzungen, die das Ziel in greifbare Nähe bringen.

Ein zweiter Bildungsweg qualifiziert auch lange nach der Schulzeit noch für eine neue Ausbildung oder das Studium an einer Universität oder Hochschule. Der zweite Bildungsweg ist kein einfacher. Wer bereit ist zu lernen und die nötigen kognitiven und nicht-kognitiven Fähigkeiten mitbringt, kann die Qualifikationen für eine neue Lehre oder das Studium an einer Hochschule im zweiten Bildungsweg erwerben.

Der erste Anlaufpunkt sollte die Arbeitsagentur sein, welche anhand der individuellen Voraussetzungen und der Ziele rund um die Möglichkeiten berät. Eine beliebte Alternative zum zweiten Bildungsweg sind Weiter- und Fortbildungen, welche ebenfalls die Karriere neu anfeuern, das Gehalt verbessern und je nach Abschluss ebenfalls den Zugang zu einer Universität ermöglichen.

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