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Ab wann gilt man als hochbegabt?

Ist mein Kind hochbegabt? Bin ich hochbegabt? Und was bedeutet das überhaupt? Von IQ, außergewöhnlichen Fähigkeiten und Lernfortschritten.

Hochbegabt ist ein Mensch dann, wenn die intellektuellen Fähigkeiten über dem Durchschnitt liegen.

Laut Definitionen aus der Psychologie gelten Menschen dann als hochbegabt, wenn sie in Tests einen Intelligenzquotienten, auch IQ, von über 130 erreichen. Und das schaffen etwa zwei Prozent der Bevölkerung.

Deutsche gehören in Europa zu den Nationen mit dem höchsten IQ. Laut Tests der irischen University of Ulster lag der IQ der Deutschen und Niederländer bei durchschnittlich 107 Punkten. Gemessen wird dieser Intelligenzquotient häufig in Relation zu einem Durchschnitt, der als IQ Wert 100 angegeben wird. Und mit der Definition dieses Durchschnitts steht und fällt die Höhe des IQs: So war der Deutsche Durchschnitts IQ laut einer anderen Studie aus 2012 nur noch bei 99, da er an einen anderen Standard, den Flynn Effect, angepasst wurde.

Doch was hat der Intelligenzquotient überhaupt mit Hochbegabung zu tun? Was sagt er über einen Menschen aus? Wann sind wir eigentlich hochbegabt? Und welche Vorteile haben Hochbegabte davon, zu den klügsten oder schlausten an Universitäten und Unternehmen zu gehören?

Ab wann ist man hochbegabt? Reif für den Club Mensa?

Nach dem Medizinstudium noch einen Doktor der Physik dranhängen? Oder ein fotografisches Gedächtnis haben und sich einfach alle Fakten merken können, ohne wirklich lernen zu müssen? Hochbegabung, also eine geistige Fähigkeit, die über dem Durchschnitt liegt, kann viele Facetten haben. Dazu gehören eine Hochbegabung im Schach oder die Fähigkeit, sich die Zahl Pi auf mehrere Tausend Stellen merken zu können und auch komplizierte Rechenaufgaben unglaublich schnell im Kopf zu berechnen.

Hochbegabung und IQ: Definition nicht einheitlich

Für die Ermittlung der Hochbegabung wird meist der Intelligenzquotient als Indikator festgelegt. Doch bei dieser Einteilung der kognitiven Leistung gibt es Schwachstellen und große Fragen der Definition. So verändert sich der Maßstab aufgrund der abweichenden Definitionen davon, wie intelligent der selbst definierte Durchschnitt ist und wird an die allgemeine Leistung einer Gesellschaft angepasst. Es fehlt eine einheitliche Definition: Eine Person, die vor einigen Jahrzehnten als durchschnittlich begabt galt, könnte beispielsweise durch die Anpassung der Richtlinien im IQ-Test-Verfahren heute als hochbegabt durchgehen.

Mosaiktests als IQ-Tests nur wenig aussagekräftig

Viele kennen die Mosaiktests, die IQ Tests, die überall im Internet angeboten werden. Logische Zahlen, Wort oder Bildfolgen sollen in diesen in einer Reihe eingeordnet werden. Die Fähigkeit zu dieser logischen Einordnung wird dann mit einem IQ in Verbindung gebracht.

Dieses Vorgehen hat Lücken in der Praxis: So können beispielsweise Personen, die sprachbegabt sind, in den Tests sehr schlecht abschneiden. Auch kann es vorkommen, dass Personen mit einem hohen IQ in Schulfächern wie Mathematik oder bei anderen vermeintlich logischen Aufgaben versagen.

Wirklich aussagekräftig sind nur professionelle IQ-Tests, in denen neben der Einordnung der Fähigkeiten anhand von Mosaiktests auch handlungsspezifische Tests und andere Verfahren genutzt werden. Der IQ wird bei diesen Tests nicht automatisch berechnet, sondern von Psychologen und anderen Profis ermittelt.

Wie schlau war Einstein?

Einsteins IQ wird häufig an der Spitze der Möglichkeiten eingeordnet. Einen IQ von 160 soll das Genie gehabt haben. Dabei waren die IQ Tests zu seinen Lebzeiten noch in den Kinderschuhen, weswegen die Einordnung von Einsteins IQ auf einer modernen Skala nur abstrakt möglich ist. Es wird sogar davon ausgegangen, dass Einstein nie einen IQ Test absolviert hat. Aufgrund seiner Werke und Erkenntnisse wird sein räumliches Vorstellungsvermögen als außerordentlich eingestuft und er dürfte bei einem modernen Test wohl weit über dem Durchschnitt landen.

Hochbegabung erkennen – Test Club Mensa

Bin ich hochbegabt? Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird die Antwort auf diese Frage “Nein” lauten - nichts für ungut: Statistisch gesehen sind nur etwa zwei Prozent der Menschen hochbegabt und haben einen IQ von über 130. Der Verein “Club Mensa“, der sich nach eigenen Angaben der Beforschung der Intelligenz verschrieben hat, gilt international als eine Einrichtung, welche für die Frage “Bin ich hochbegabt” eine qualifizierte Antwort parat hat.

Um Mitglied im Club Mensa zu werden, muss ein IQ Tests mit einem Ergebnis von über 130 absolviert werden. Die Mitgliedschaft im Club Mensa ist ein anerkanntes Prädikat für Hochbegabung. Der Intelligenztest des Clubs ist für Personen ab einem Alter von 14 Jahren konzipiert und kann dreimal wiederholt werden. Der Verein bietet auf der Internetseite auch Online-IQ-Tests an, welche als Training genutzt werden können und zudem einen ersten Eindruck darüber geben, ob die Anmeldegebühr für den IQ-Test sinnvoll investiert ist oder man noch nachsitzen sollte

Hier finden Sie weitere Informationen zum IQ Test beim Club Mensa Deutschland. Die Online-IQ-Tests des Club Mensa dienen der Orientierung vor der Bewerbung zum Test. Der Club Mensa gilt auch als Ansprechpartner für die Hochbegabtenförderung und gründete 2013 die “MinD-Stiftung”, eine Stiftung für Begabtenförderung und die Erforschung der Intelligenz.

Ist mein Kind hochbegabt?

Viele Eltern wünschen sich, dass ihr Kind etwas Besonderes ist. Um Hochbegabung bei Kindern zu erkennen, gibt die Deutsche Gesellschaft für das hochbegabte Kind e.V. Anhaltspunkte.

Zu diesen Anhaltspunkten für Hochbegabung bei Kindern gehören:

  • Langeweile in Kindergarten und Schule,
  • Rolle des Klassenclowns oder Außenseiters,
  • frühes Lesen,
  • frühes Interesse an komplizierten Themen,
  • kein Interesse an typischen und altersgerechten Freizeitaktivitäten,
  • Perfektionismus,
  • Gefühl der Isoliertheit des Kindes,
  • sich besonders ausgiebig und intensiv mit Themen beschäftigen, etc.

Der DGHK bietet weitere Indikatoren für das Verhalten hochbegabter Kinder. Auch finden Eltern und Pädagogen Hilfe bei der Diagnostik und der Förderung begabter Kinder unter 14 Jahren und hilft bei der Organisation von Treffen für hochbegabte Kinder.

Kann man Hochbegabung erlernen?

Man kann Hochbegabung nicht erlernen, aber durch Techniken die eigenen Fähigkeiten stark verbessern und trainieren. Dazu gehören die Fähigkeiten, sich Dinge durch Gedächtnistraining zu merken, die Eigenmotivation zu verbessern und sich bestimmte Denkmuster durch Übung anzueignen.

Wenn Sie sich beispielsweise mit der Art der Aufgaben eines IQ-Tests befassen, bevor Sie diesen absolvieren, ist ein besserer Ausgang zu erwarten. Auch können bestimmte Muster und logische Abläufe aus den Tests erlernt werden, da diese bestimmten Mustern und Formen folgen oder sich bestimmter Grundrechenarten bedienen.

Das Abschneiden in einem IQ Test kann also durch Lernen verbessert werden und wenn die Hürde zur Hochbegabung nur klein ist, kann diese auch durch Lernen überwunden werden. Schließlich bietet der Club Mensa auch Wiederholungen des IQ-Tests an.

Hochbegabung, die den Rahmen sprengt

Mit 26 Jahren bereits 56 Sprachen sprechen oder nach einem Helikopterflug über die Stadt ein detailgetreues Bild aus Vogelperspektive zeichnen: So genannte Inselbegabungen oder Teilliestungsstärken sind eine Besonderheit im Bereich der kognitiven Leistung. Häufig sind es autistische Personen, die mit dem sogenannten Savant-Syndrom diagnostiziert werden. Sie verfügen über eine besondere Fähigkeit, beispielsweise im sprachlichen, im mathematischen oder künstlerischen Bereich.

Ein bekannter Vertreter mit dieser Teilleistungsstärke ist Stephen Wiltshire. Der Künstler fertigt nach einem kurzen Eindruck aus dem Gedächtnis getreue Zeichnungen von Städten an. Dafür genügt ein Rundflug mit dem Helikopter. Die Fähigkeit ist so beeindruckend, dass sie ihm den Spitznamen “lebende Kamera“ einbrachte. Diese besondere Form der Hochbegabung ist nicht automatisch mit einem hohen IQ gleichzusetzen. Wie hoch beispielsweise der IQ Wildshires ist, ist nicht bekannt.

Hochbegabt im Beruf

Etwa 1,6 Millionen Menschen in Deutschland haben einen IQ von über 130. Und all diese Hochbegabten müssten doch in Spitzenpositionen mit hohem akademischem Grad und Top-Verdienst anzutreffen sein? Die Realität sieht anders aus: Hochbegabte oder Menschen mit überdurchschnittlich hoher Intelligenz haben es im Beruf häufig schwer. Dabei zeigen sich verschiedene Tendenzen und interessante Effekte, die auch aus der Zusammenarbeit mit den “Normalos“ entstehen:

Hohes Interesse an Gestaltung, wenig an Führung

Ein früher Indikator der Hochbegabten ist die Außenseiterrolle: Hochbegabte wollen die Welt um sich selbst gestalten, Grenzen durchbrechen und eigene Regeln aufstellen. Dabei entsteht manchmal auch der Wunsch, nicht unbedingt etwas mit anderen zu tun haben zu wollen. An Führung und Karriere hätten Hochbegabte im Schnitt wenig Interesse, haben Studien ergeben.

Hochbegabte werden gemieden

Hochbegabte verstehen Abläufe schneller als ihre Kollegen. Das hat zur Folge, dass ein gewisser Neid entsteht. Auch dass Hochbegabte auf Missgunst im Management stoßen und darum am Ende Aufgaben übernehmen müssen, mit denen Sie unterfordert sind, kann vorkommen. Grund dafür kann ein extremer Perfektionismus sein, der die Vorgesetzten und Kollegen nervt oder nicht nachvollziehbar ist.

Hochbegabte sehen sich in besonderer Kritik

Sobald Mitarbeiter etwas von der Hochbegabung erfahren, werden die Kollegen mit hohem IQ zum Ansprechpartner für alle Probleme: Von der ausgefallenen Telefonanlage bis zu Komplikationen mit dem Computer. Und da auch Hochbegabte im Unternehmen nicht alle Berufe auf einmal übernehmen können, kommt es dann schnell zur Kritik. Man habe wohl den falschen Test absolviert, sei einer der Vorwürfe, wie Marc Messer in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) Einblick in das Leben der Hochbegabten gibt.

Vorgesetzte Haben Angst vor Hochbegabten

So schildert Messer weiter, wie Hochbegabte in einigen Fällen von Führungskräften benachteiligt würden. In einem besonderen Fall soll eine Hochbegabte sogar ein Verbot bekommen haben, auf Tagungen und Meetings tätig zu werden. Grund war, dass sie ihren Vorgesetzten einmal vertrat und danach ein beliebterer Ansprechpartner war als der Vorgesetzte selbst.

Hochbegabte haben keinen normalen Lebenslauf

Viele der Hochbegabten würden sich für einen zweiten Bildungsweg und auch im höheren Alter noch mal für eine neue Karriere entscheiden. Als Möglichkeiten des zweiten Bildungsweges ein Studium zu beginnen oder eine Aufstiegsfortbildung zu absolvieren, kann den Hochbegabten auch im höheren Alter eine neue Perspektive geben.

Mit Zwangsstörung in die Buchhaltung

Manager und Vorgesetzte können von Hochbegabten profitieren, auch wenn diese Hochbegabung als Verhaltensstörung auffallen kann. Äußern Mitarbeiter oder Bewerber, dass sie hochbegabt sind oder über besondere Fähigkeiten verfügen, kommt es nur darauf an, den richtigen Platz im Unternehmen für sie zu finden.

Kontrollfreaks oder Menschen mit einem peinlichen Drang zum Perfektionismus beispielsweise in die Buchhaltung oder in das Controlling zu stecken, kann diese aufblühen lassen. Auch bei Aufgaben, die aufwendige Analysen erfordern oder so kompliziert sind, dass sie nerven, können die Hochbegabten eine willkommene Hilfe sein.

Menschen mit besonderen Spleens oder sogar Psychosen können ein Gewinn sein. Und schließlich sind viele Vorgesetzte selbst mit hoher Wahrscheinlichkeit Psychopathen, wie aus Studien hervorgeht.

Drang zur Hochbegabung oft Egosache

Bin ich hochbegabt? Mein Kind ist doch sicher hochbegabt! Manchmal sind derartige Bedürfnisse, die eigenen geistigen Kapazitäten überzubewerten ein ganz normaler Effekt: Die eigenen Gedanken erscheinen uns selbst schließlich immer am sinnvollsten, da wir sie uns selbst nicht mit dem Verlust von Informationen erklären müssen. Dass die eigene Perspektive aus der eigenen Perspektive gesehen die Schlauste ist, hat dabei nichts mit Hochbegabung, eher mit Überbewertung zu tun. Hochbegabte neigen im Gegensatz dazu, sich selbst zu unterschätzen und können sogar auf Probleme im Beruf stoßen. 

Hochbegabung ist kein Garant für gute Jobs oder ein gutes akademisches Studium. Die Hochbegabung im Erwachsenenalter zu diagnostizieren, kann bei einer Neuorientierung und Glück im Beruf oder einem späteren Bildungsweg helfen, den richtigen Job für die Hochbegabung zu finden.

Eltern, die in ihren Kindern Anzeichen auf eine Hochbegabung erkennen, sollten den Bezug zur Realität nicht direkt verlieren: Jedes Kind ist in den Augen der Eltern etwas Besonderes. Das liegt allein daran, dass die menschliche Entwicklung in verschiedenen Altersstufen so rasant vonstattengeht. Sind Anzeichen für Hochbegabung zu erkennen, helfen Ärzte, Pädagogen oder Vereine dabei, das Kind zu fördern - was im richtigen Maße auch ohne eine Hochbegabung von Vorteil sein kann.

Förderung kann für alle Altersgruppen von Vorteil sein. Voraussetzung dafür ist, dass die richtigen Methoden gewählt werden, genug Motivation besteht und man die eigenen Grenzen neu definiert, doch dabei nicht so viel will, dass man ausbrennt.

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